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Plädoyer für torfhaltige Erde (und ihre Wiederverwendung)

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Eigenbedarf
(@eigenbedarf)
Harzsammler
Beigetreten: vor 2 Jahren
Beiträge: 352
Themenstarter  

OK, das Thema ist im Herbst jetzt vielleicht nicht besonders aktuell aber ... der nächste Frühling kommt bestimmt.

Ich bin mittlerweile etwas genervt vom Stand der Debatte um die Schädlichkeit von torfhaltiger Erde. In meiner bescheidenen Erfahrung ist Torf unerreicht fluffig und kann gut das Wasser speichern, und diese Eigenschaften verliert er auch nicht. In der Regel hatte er diese Speicherfähigkeit ja auch schon über viele Jahrzehnte und Jahrhunderte, da machen drei Jahre im Blumentopf jetzt auch keinen großen Unterschied. Ich baue auf dem Balkon an, und verwende meine torfhaltige Gartenerde seit einigen Jahren wieder. Nach der Ernte trockne ich diese in einer großen, nach oben offenen Tüte über ein paar Wochen (immer mal wieder aufschütteln), und in so einem Müllbeutel o. ä. verschnürt wird sie dann über den Winter gelagert.

Das ist weniger Arbeit als die Alterde zur Biotonne zu karren, und im Frühjahr dann wieder die Säcke vom Baumarkt heranzukarren.

Bisher habe ich bei dieser Alterde den Dünger über das Gießwasser zugegeben, im kommenden Jahr werde ich die Alterde mit einem Festdünger vordüngen.

Was ich aber nicht verstehe ist, wieso es ökologischer sein soll, jedes Jahr torffreie Erde heranzuschaffen (in 95% aller Fälle vermutlich mit der Familienkutsche aus dem Baumarkt, oder gleich den Biobizz Light Mix aus dem growshop, der bei mir aber leider nicht um die Ecke liegt) um sie dann im Herbst komplett weg zu schmeißen. Und wieso ist es andererseits tabu, torfhaltige Erde zu kaufen und zu verwenden, wenn sie schlicht das bessere Substrat ist.

Ja, Moore sind einzigartige Lebensräume und brauchen Jahrhunderte um zu entstehen. Und sie können das ganze CO2 speichern, das bei diesen sinnlosen Fahrten zum Gartencenter entsteht. In Deutschland hat man die Moore über Jahrhunderte abgebaut (entwässert) und freut sich über die gewonnenen Nutzflächen, auf der übrigens auch ein wunderschöner wilder Wald entstehen kann. Es gibt aber, z. B. in den baltischen Staaten, noch riesige Moorgebiete, und dort sind diese Moore nicht nur Anlass zur Freude, denn Moore sind halt wirklich nur Ökotope. 

Ich persönlich, in meiner bescheidenen Erfahrung, halte torfhaltige Erde einerseits schlicht für besser als torffreie, und andererseits halte ich die ökologische Schädlichkeit von Torf für stark übertrieben. Ich bin genervt, wenn man den Torf zum Buhmann macht.



   
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(@Anonym)
Beigetreten: vor 1 Sekunde
Beiträge: 0
 

Veröffentlicht von: @eigenbedarf

Ich bin genervt, wenn man den Torf zum Buhmann macht

Du hast da ein sehr aktuelles, interessantes Thema angeschnitten. Ich bin auf die "hoffentlich" unterschiedlichen Meinungen gespannt.

Meine Meinung nach einer der aussichtslosen Versuche unsere Erde doch noch zu retten. Klar, nur ein Kleiner aber wenn es ohne Torf auch geht, dann ohne. Mache ich.

Wiederverwenden der Vorjahres -  Erde ist bei meiner speziellen Situation (5 l Töpfe durchgewurzelt) nicht machbar. Daher nehme ich auch 2026 neue Erde von Canna.

 

Ob das jetzt öko-biologisch sinnvoll ist, mit Transport und Verpackung, weiß ich nicht. Für mich ist die Erhaltung der Moore und dem Wattenmeer sehr wichtig.

 



   
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KloMeister123
(@klomeister123)
Knospenmeister
Beigetreten: vor 11 Monaten
Beiträge: 419
 

Kann man sich drüber streiten, aber es gibt viele Themen, wo man als Mensch aktiv zum "Umweltschutz" beitragen kann.

 

  • Nur regionale Sachen konsumieren oder gleich zum Eigenversorger werden.
  • Den CO2-Abdruck gering halten. Nie mit dem Auto oder Flugzeug in den Urlaub. Das Fahrrad benutzen um einzukaufen oder um zur Arbeit zu fahren.
  • Veganer sein.
  • Sparsam leben, in dem man nur wenig braucht. Nicht ständig neue Schuhe, Klamotten, Smartphones oder Fernseher kaufen.
  • Auf Neuware verzichten und gebrauchte Dinge kaufen.
  • Man kann sich selbst im Bereich Umweltschutz engagieren.
  • Energie sparen und nur auf erneuerbare Energien setzen.
  • Wasser sparen.
  • Müll reduzieren.
  • Auf chemische Produkte verzichten, die in der Entsorgung problematisch sind.
  • Lebensmittelverschwendung vermeiden.
  • Mehrwegprodukte nutzen.
  • Hochwertige "Geräte / Gegenstände" nutzen und nicht die Wegwerfgesellschaft fördern.

 

Gibt sicher noch etliche Dinge.

Jetzt kann man darüber streiten, welchen Anteil am Gesamten die Torferde hat, wo man sich vielleicht in seinem Leben 90 Liter von geholt hat.


Dieser Beitrag wurde geändert vor 5 Monaten 6 mal von KloMeister123

   
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Arakyr
(@arakyr)
Harzsammler
Beigetreten: vor 9 Monaten
Beiträge: 334
 

Tolle Diskussionsgrundlage @Eigenbedarf

Ich oute mich auch gerne als Torfverzichter und berichte, wie ich die Zusammenhänge verstanden habe:

Torf und jedes andere Pflanzenmaterial besteht zu einem großen Teil aus Kohlenstoff. Dieser wird durch bakterielle Zersetzung unter anderem zu CO2 umgewandelt, welches sich in der Atmosphäre anreichert und den Planeten erwärmt. 

Wir haben wenig genug Möglichkeiten, dass CO2, das wir im Alltag in die Atmosphäre blasen zu Speichern. 

Holz im Gebäudebau zu benutzen ist zum Beispiel ein gangbarer Weg, den Kohlenstoff im Holz zu konservieren. Holz einfach im Wald liegen lassen, ginge auch begrenzt, dann wird das CO2 allerdings wieder über einen längeren Zeitraum freigesetzt und dümgt den Wald und es ergibt sich ein Kreislauf, was mich weit weg führt von der Torfproblematik...

 

Das Torf in den Mooren verrottet nur extrem langsam, hier werden also Unmengen an Kohlenstoff gespeichert. 

Wenn man nun, wie in Teilen Deutschlands, den Torf abbaut und Otto Normalverbraucher unkritisch jedes Jahr die tolle Blumenerde mit Torfanteil in der Biotonne entsorgt, werden Unmengen an Kohlenstoff freigesetzt. 

 

Dein Weg, Torf erneut zu benutzen ist die einzige Möglichkeit den Nutzen möglichst klimaneutral zu gestalten. Das machen aber die wenigsten. 

 

Wäre Torf Alternativlos, würde ich dir Recht geben. Aber auch wenn die Eigenschaften von Torf unerreicht sind, so wachsen Pflanzen doch auch in anderen Medien (zugegebenermaßen nicht so verlässlich gut)



   
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Eigenbedarf
(@eigenbedarf)
Harzsammler
Beigetreten: vor 2 Jahren
Beiträge: 352
Themenstarter  

@arakyr OK. Ich frage mich wie relevant das gern gebrauchte Argument vom "Moore als Kohlenstoffspeicher" ist. Denn ich verbrenne den Torf ja nicht, sondern nutze ihn als Substrat. Der Torf "zerfällt" ja nicht, zersetzt sich nicht, sondern bleibt erhalten. Wenn ich ihn dann in die Biotonne oder den heimischen Kompost schmeiße, kommt am Ende wieder Kompost und letztlich Gartenerde raus.



   
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Eigenbedarf
(@eigenbedarf)
Harzsammler
Beigetreten: vor 2 Jahren
Beiträge: 352
Themenstarter  

Vielen Dank für die reflektierten Antworten!



   
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Arakyr
(@arakyr)
Harzsammler
Beigetreten: vor 9 Monaten
Beiträge: 334
 

Veröffentlicht von: @eigenbedarf

Denn ich verbrenne den Torf ja nicht, sondern nutze ihn als Substrat. Der Torf "zerfällt" ja nicht, zersetzt sich nicht, sondern bleibt erhalten. Wenn ich ihn dann in die Biotonne oder den heimischen Kompost schmeiße, kommt am Ende wieder Kompost und letztlich Gartenerde raus.

Dazu gerne ein kurzer Exkurs in mein Verständnis von Chemie:

Sowohl Zellstoff als auch Stärke bestehen hauptsächlich aus Kohlenstoff. Damit besteht der Hauptteil von Pflanzen aus Kohlenstoff. Stärke als Energieträger und Zellstoff als Baumaterial.

Wenn die Pflanze zerfällt, wird zumindest der Stärkeanteil bakteriell vergoren, wie bei der Alkoholherstellung. Das Gärungsgas das dabei entsteht ist Kohlenstoff - Dioxid, so wie die Kohlensäure in Getränken. Kohlenstoff aus  der Pflanze, Sauerstoff ist in der Luft reichlich vorhanden.

Ob du nun CO2 durch Verbrennung aus Kohlenstoff - Monoxid CO herstellst oder bakteriell macht im Ergebnis keinen Unterschied.

Die genauen Zusammenhänge und Reaktionen kann ich dir leider nicht erklären, da ich kein Fachmensch dafür bin.

 

In ihrer natürlichen Form speichern Moore also Unmengen an Pflanzenfaser, die wir langsam durch Verrottung in Luft auflösen.

WIe relevant in % sich das auf den Klimawandel auswirkt weiss ich auch nicht und generell darf davon jeder halten was er möchte. Du trägst jedenfalls mit deiner Entscheidung, möglichst wenig Torf zu benutzen und das Vorhandene wieder zu verwenden dazu bei, dass weniger Nachfrage herrscht und damit weniger Torf abgegraben wird.

 

 

Veröffentlicht von: @eigenbedarf

Wenn ich ihn dann in die Biotonne oder den heimischen Kompost schmeiße, kommt am Ende wieder Kompost und letztlich Gartenerde raus.

Es geht bei einer Kreislaufwirtschaft ja wahrscheinlich um Reibungsverluste. Dein Kompost wird ja wieder zu Pflanzenmaterial und damit zum CO2 Speicher. Dann hast du allerdings immer noch Logistik und Herstellung als Kosten.



   
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Eigenbedarf
(@eigenbedarf)
Harzsammler
Beigetreten: vor 2 Jahren
Beiträge: 352
Themenstarter  

@arakyr Also Torf hält im Moore ja schon ewig, zerfällt also hier nicht (oder kaum), und auch im Blumentopf zerfällt er nicht. Torf bleibt also Torf, wenn ich ihn nicht verbrenne, und existiert auch außerhalb des Moores weiter.



   
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