Nachdem ich mich hier durch die ersten 5 Seiten "Cannabis anbauen" gequält und festgestellt habe, dass furchtbar viel Theoretisches Wissen als Erfahrung verkauft wird, hab ich mich dazu entschlossen mal ganz praktisch ein Tutorial zu erstellen mit dem absolut jeder dazu in der Lage sein sollte mit 3 Pflanzen mindestens die erlaubte Menge von 50g zusammen zu growen. Ohne irgendwas zu messen, oder ein Physik- und Biologiestudium vorher abschließen zu müssen.
Wenn man kein Gefühl für seine Pflanzen entwickelt und sich nicht ein paar grundlegende Zusammenhänge logisch erschließt, kann man beim growen dem Teufel ein Ohrläppchen weg messen und erzielt höchstens durch Glück und Zufall ein gutes Ergebnis, was bei einer anderen Sorte und selber Vorgehensweise total in die Hose gehen kann. Ich möchte hier also keinen Leitfaden zur Ertragsmaximierung erstellen, sondern viel mehr dem Anfänger ein Grundverständnis für seine Pflanzen vermitteln, mit dem auch Menschen mit wenig Erfahrung ihre Pflanzen gesund durch deren Leben bringen können und dafür mit einem (qualitativ) gutem Ergebnis belohnt werden.
Ich hab hierzu ein paar steinalte Samen aus eigenem, oder gekauften Gras in einer Dose gefunden aus denen ich mit Euch für eine Bekannte zwei bis drei Jungpflanzen ziehen und Euch (und der Bekannten) das Wissen mitgeben möchte um am Ende einen rauchbaren Erfolg damit zu haben.
Wie gesagt, die Samen sind "Findelkinder" bei denen Alter, Geschlecht, Sorte, Genetik usw. unbekannt sind. Da die Findelkinder wirklich lange in der Dose lagen, bin ich selbst gespannt, ob und wenn ja, was daraus wird 😀
Ich hab auch schon ein paar Bilder gemacht und sobald ich die auf meinem Rechner habe um sie hochzuladen, geht es hier weiter.
1) Keimung :
In der Natur bilden sich im Herbst die Samen in den Blüten, werden von dort irgendwann mal freigesetzt und liegen dann den Winter über von ein paar Blättern oder so abgedeckt, mal mehr mal weniger feucht, bei niedrigen Temperaturen bis zum Frühjahr auf dem Boden. Um im Frühjahr die Keimung zu triggern wärmt die Sonne den Boden, aus dem verdampft langsam das über den Winter gespeicherte Wasser und das gibt dann den Samen das Startsignal.
Daraus können wir uns mehrere Dinge ableiten. Das erste ist die Lagerung. Perfekt wäre leicht erhöhte Luftfeuchte, da dies aber nicht so leicht dauerhaft herzustellen ist, beschränken wir uns auf dunkel und kühl und fügen die "Feuchte" erst direkt vor dem Keimen zu.
Wenn die Samen etwas Wasser gezogen haben, brauchen sie noch (starke) Frühjahrs-Sonne bzw. Wärme damit das Innenleben aktiv wird und die Schale der Samen aufbricht. Je länger die Samen rum liegen, je mehr Wasser müssen sie ziehen und irgendwann vertrocknet das Innenleben auch.
Es gibt zig Methoden wie man das als Gärtner nachahmen kann. Meine Methode ist sicher auch nicht das Ei des Kolumbus und man kann auch mit anderen Methoden den selben Erfolg haben. Bin halt ein fauler Kiffer und als solcher hat sich meine für mich bewährt 😉
Da meine Samen richtig lange in der Dose lagen, sind die ziemlich sicher ziemlich vertrocknet und müssen erstmal die Feuchtigkeit die sie in der Natur über den Winter speichern "künstlich" zugesetzt bekommen. Dazu werfe ich sie zwischen 12 und 24 Stunden in ein Schnapsglas mit Leitungswasser.
Danach nehme ich 4 Blatt Klopapier, falte die beiden äußeren Blätter nach innen, lege die Samen auf eine Hälfte und klappe die andere Hälfte dann darüber. (2 Blatt oben, 2 Blatt unten). Besser als Klopapier ist Küchenrolle und besser als Küchenrolle sind Kaffeefilter. Es ist auch zu empfehlen die Samen etwas getrennt von einander zu platzieren damit man sie nicht kaputt macht wenn man sie nach dem Keimen trennen muss.
Das ganze befeuchtet ich dann mit einer Sprühflasche von oben so lange bis die Feuchtigkeit auch auf der Unterseite ankommt und stecke das ganze in eine Plastiktüte/Gefrierbeutel oder was auch immer. Wenn das Klopapier beim einpacken zerfällt, war es zu nass. Damit die Feuchtigkeit in der Tüte bleibt aber trotzdem etwas frische Luft hin kommt, schließe ich die Tüte nur halb. Damit haben wir den Feuchtigkeitsteil erledigt und können uns um die Wärme kümmern. Bin immer noch faul, daher lege ich das ganze einfach aufs sonnige Fensterbrett, Heizung, Abluft vom Kühlschrank, Heizungskeller oder sowas geht auch, es sollte halt dauerhaft wärmer als 15 Grad sein, ca. 20° sind top. Dem ganzen einmal einen deutlich wärmeren Impuls mitzugeben (halbe Stunde moderate Heizung oder sowas) hilft dabei den Prozess zu beschleunigen. Betonung liegt auf Impuls, wenn man die Samen dauerhaft "grillt" sind die Babys tot.
Dann ist auch schon das erste mal Geduld gefragt, denn man muss das ganze so ein paar Tage liegen lassen damit Wasser und Wärme ihren Job machen können. Jeden Tag zu gucken ist kontraproduktiv. Der Keimling braucht auch erstmal nichts außer Feuchtigkeit, Wärme und etwas Luft und nimmt keinen Schaden wenn er da ein paar Tage länger liegt als unbedingt erforderlich.
Gute Idee, den Vorgang einmal zusammengefasst in einem Thread zu haben.
Um die Wuchsrichtung der WUrzeln zu steuern, kann man den Beutel auch vertikal lagern, Wurzeln wachsen immer nach unten.
Das hast du sehr schön erklärt.
Ich möchte noch einmal kurz die Vor- und Nachteile dieser Keimungsmethode erwähnen, weil ich finde es auch immer wichtig, dass ein Grower sich bewusst ist, warum man welche Keimungsmethode wählt und was die Vor- oder Nachteile davon jeweils sind.
Samen einweichen im Wasserglas und Keimung zwischen feuchten Tüchern:
Vorteile gegenüber der Keimung direkt in Erde:
- Gerade ältere Samen profitieren von dieser Methode, da die Feuchtigkeit zuverlässig und schnell in den Samen gelangt
- Manchmal bessere Keimrate und häufig schnellere Keimung bei älteren Samen gegenüber der Keimung direkt in Erde
- Man sieht genau welche Samen gekeimt sind, sodass man keine Töpfe für tote Samen vorbereiten muss
Nachteile:
- Beim späteren Einpflanzen in die Erde muss ein gewisses Feingefühl vorhanden sein, damit die Pfahlwurzel und die Wurzelhärchen nicht beschädigt werden
- Ein Nachteil der Tuchmethode ist, dass Pfahlwurzel und feine Wurzelhärchen nicht direkt in das endgültige Substrat wachsen. Bei der Keimung direkt in Erde starten sie sofort im richtigen Medium und werden später nicht durch Umsetzen, Papier/Tuch oder Einpflanzen gestört.
- Gerade bei Autoflowern kann das ein kleiner Vorteil sein, weil sie durch ihre kurze Vegetationszeit weniger Spielraum für Stress haben. Für einen möglichst stressfreien Start ist direkt im Endmedium zu keimen durchaus sinnvoll.
Neutral:
- Das Vorquellen in Wasser und das Keimen zwischen feuchten Tüchern ist von den Arbeitsschritten aufwändige, als den Samen nur in ein Erdloch zu geben. Man muss den Samen damit insgesamt dreimal "anfassen". Dieser Nachteil gleicht sich aber wieder etwas aus, wenn die Keimrate möglicherweise schlechter ist. Denn so muss man dann nur die Töpfe vorbereiten, die auch für wirklich gekeimte Samen infrage kommen.
Hey mein Freund, Du hast gegen die goldene Regel der Geduld verstoßen 😀 Aktuell liegen die Samen noch auf dem Fensterbrett. Der Teil mit der Schwerkraft (Wurzel nach unten, Stengel mit Keimblättern nach oben) kommt noch.
Frage zu den Automaten, würdest Du die immer direkt im Endtopf keimen? Ich bin bei fem. oder regulären Samen ja ein Fan von min. 2 mal Umtopfen da man sich so das Düngen während der Vegi fast komplett sparen kann, vorausgesetzt man trainiert seine Pflanzen nicht groß, was ich Anfängern auch erstmal nicht empfehlen würde.
Keimung 2. Teil
Da ich die nächsten Tage unterwegs bin, habe ich die Samen aus Tüte und Papier befreit. Zwei haben auch schon etwas die Zunge aus der Schale gestreckt, wirklich safe ist man aber erst wenn da so ca. 5mm raus gucken. Da ich aber nicht da bin, habe ich die Samen, so wie sie sind, in einem kleinen Topf mit nasser Anzuchterde in ein ca. halben Zentimeter tiefes Loch gelegt und mit etwas Erde bedeckt.
Wenn der Keimling schon richtig raus guckt, sollte man versuchen den Samen mit dem was da raus kommt nach unten in das Loch zu legen, waagrecht geht auch, Hauptsache das guckt nicht nach oben. Der Samen wird nun die in ihm gespeicherte Energie nutzen um sich an der Schwerkraft auszurichten. Wenn man den quasi kopfüber ins Loch gibt, kann es sein, dass diese Energie ausgeht bevor der Keimling das Licht der Welt erblickt. Wichtig ist auch den Samen mit ein paar Krümeln Erde zu bedecken, damit der die Samenhülle auf dem Weg abstreifen kann. Wenn man die später von Hand ab popeln muss, kann man die darin liegenden Keimblätter beschädigen/zerstören und dann wars das.
Nochmal etwas mit Wasser einsprühen, Frischhaltefolie drüber und zurück aufs Fensterbrett und mit etwas Glück wird aus den Samen in ein paar Tagen ein Keimling.
Bisher war alles was der Samen gebraucht hat, Wärme, Wasser und (feuchte) Luft. Das bleibt auch so bis man schon deutlich erkennt, was es mal werden soll, (Wurzel, Stängel, Keimblätter).
Das Medium (Anzuchterde) diente bisher nur dazu, dass sich der Keimling an der Schwerkraft orientieren kann, also die Wurzel nach unten und der Rest nach oben wächst. Wie die beiden Kollegen schon richtig angemerkt haben, kann man die Samen auch direkt in Steinwollwürfel, Jifys, den Endtopf mit Erde oder was auch immer stecken. Alles was bis hier hin passiert, passiert durch Umwelteinflüsse (Wärme/Wasser/Luft) und die im Samen gespeicherte Energie. Das geht sogar in Blähton mit Wassernebel, ist also komplett unabhängig vom Medium.
Bei guten, frischen Samen kann man das Vorgeplänkel mit einweichen und in Papier und Plastiktüte vorkeimen auch gut überspringen. Dann setzt man den Samen gleich in den Becher mit nasser Anzuchterde (ca. 5mm tief und mit Erde bedeckt), Folie drüber, fertig.
Hab zwar keinen Plan von Automatiks, ich würde den Samen aber nicht direkt in stark vor gedüngte Erde setzen und auch dort ein ungefähr Faust großes Loch mit Lightmix, bzw Anzuchterde machen, damit das Pflänzlein, wenn es dann mal Nährstoffe aufnehmen kann, nicht gleich eine heftige Überdosis bekommt.
Erst wenn sich die Keimblätter voll entfaltet haben fängt die Pflanze vorsichtig mit Photosynthese an und setzt mit ihrem zarten Wurzelchen die ersten Nährstoffe um wenn sie das erste richtige Blattpaar bildet.
Sobald das Pflänzchen mit aufgeklappten Keimblättern etwas aus der Erde guckt, ist es Zeit die Folie zu entfernen. Das Pflänzchen mag zwar immer noch erhöhte Luftfeuchtigkeit, aber zu viel macht es auch kaputt. In der Regel reicht das was aus dem Becher aufsteigt, wenn man die Erde gut feucht (nicht mehr nass) hält.
Blattmasse und Wurzelchen sind noch winzig, daher sind übermäßiges Sonnenlicht, starker Wind, oder viel Nährstoffe im Medium erstmal zu vermeiden! Zu viel Sonne und/oder Wind überfordern den noch schwachen Feuchtigkeitshaushalt und zu viel Futter im Medium killt die einzige Wurzel die es bisher gibt.
Wenn das alles passt, wird die Pflanze ziemlich fix ein ganzes Stück nach oben schießen wollen (spargeln). Viele Experten sagen das hat mit dem Abstand zur Lampe zu tun. Ich kann aber die Sonne nicht tiefer hängen, daher stelle ich das Pflänzchen mit so 2-3 cm Größe in einen leichten! Luftzug am offenen Fenster oder blase sie gaaanz leicht! mit dem Venti an. Das verhindert das Spargeln auch komplett 😉
Bis dahin ist es aber wieder ein bischen und wenn ich wieder etwas zum dokumentieren habe, geht es hier weiter.
PS: Hab nu rund 30 von den steinalten Samen so behandelt, es gab eine schöne Pflanze vor dem Bericht, die ich bereits weggegeben habe, das mickrige Ding auf dem Bild, dazu habe ich noch die 6 Samen aus dem Papier im Topf mit Frischhaltefolie und nochmal ein paar in Papier und Tüte. Die Keimrate ist also ziemlich erbärmlich. Dafür dass die Samen ungekühlt zig Jahre in einer Dose lagen, finde ich es aber schon ein ziemliches Wunder der Natur, dass da überhaupt noch was rausgekommen ist. 2 Keimlinge hab ich auch beim entfernen der Samenschale noch gekillt und einer ist unter der Folie ertrunken :/ Von den ca. 20 bisher gekeimten Samen hätten theoretisch 5 was werden können. Das macht nach knapp 10 Jahren Lagerung 20 - 25%, echt zäh das Zeug 😀
Irgendwie is gerade bissi der Wurm drin. Es hat zwar ein Teil gekeimt, ging dann aber ziemlich fix ein. Keimlinge sind vergammelt, vertrocknet, oder wurden die Samenschalen nicht los 🙁
Gab im lokalen Shop aber ein paar Promo-Samen geschenkt, vielleicht bekomme ich damit ja noch was für Euch und meine Bekannte hin, wir werden sehen.
Schade, vielleicht im nächsten Versuch.
Ich hatte auch häufiger schon Samen, da kam zwar die Keimwurzel heraus, aber viel mehr ist dann auch nicht passiert. Die Energie ging dann einfach aus. Oft schaffen sie es dann nicht bis aus der Erde heraus oder sie schaffen es knapp, aber dann friert das Wachstum ein und irgendwann geht der Sämling ein.
Etwas "risikoreich" stufe ich die Folie ohne Löcher ein und die doch recht hohe Feuchte die du im Substrat hast.
Ja die Samen müssen erstmal Wasser aufsaugen, so dass sie aufquellen und aufbrechen, aber wenn sie das geschafft haben, dann ist zusätzlich auch Sauerstoff essenziell
Kommt zu wenig Sauerstoff an den Sämling, wird er faulig und stirbt ggf. ab.





