0

Hallo an alle,

Ich bin ü30 und habe bisher nur einmal im Leben Cannabis probiert. Das ist schon etwa 15 Jahre her. Ich erzähle euch mal etwas dazu.

Zu dieser Zeit ging es mir nicht so gut. Aufgrund der Trennung mit meiner ersten Freundin war ich in einer emotionalen Krise und war allgemein durchgehend in einem sehr deppressiven, gestressten Zustand. Ganz zufällig traf ich nachts auf der Straße einen Freund, der mit ein paar anderen Jungs unterwegs war. Sie sagten, dass sie Gras rauchen wollten und fragten mich, ob ich gerne mitmache. Obwohl ich nicht so sehr Lust darauf hatte, bejahte ich die Frage spontan.

Wir gingen an eine abgelegene, dunkle Ecke. Ich hatte ein wenig Angst, dass meine Eltern mich finden könnten oder die Polizei uns findet.Set und Setting waren also wirklich miserabel. Der Joint war mit purem Gras gefüllt, wovon ich etwa 5 Züge nahm und den Zug sehr lange in der Lunge hielt. Wie viel THC da drinn war und welche Sorte das war, wusste ich nicht. Aber höchstwahrscheinlich ziemlich stark, wie sie mir auch mitteilten, da alle sehr stark drauf davon wurden. Ich musste direkt sehr stark husten.

Dann setzte die Wirkung geschätzt nach ein paar Minuten ein. Es war wie ein Albtraum für mich. Es ist schwierig, diesen Zustand zu beschreiben, aber ich fühlte mich plötzlich irgendwie enorm!! depressiv. Ich fühlte mich so schwer, als würde ich eine Tonne wiegen und musste viel Kraft aufwenden, um mich zu bewegen. Dazu kam noch, dass ich das Gefühl hatte, keine Luft mehr zu bekommen. Und danach noch extreme Panik. Geräusche fühlten sich anders an, was ja relativ normal ist. Halluzinationen oder etwas in der Art hatte ich jedoch nicht.

Aber dieser extrem qualvolle Zustand, zu dem ich keine Worte finden kann, war so enorm, dass ich Suizidgedanken bekam, weil es einfach nicht auszuhalten war. Ich hatte auch große Angst, da nicht mehr rauszukommen. Der Zustand war so schlimm, dass ich mir vielleicht sogar das Leben genommen hätte, falls ich etwas wie ein Messer dabei hätte. Ich kämpfte nur noch jede Sekunde und versuchte diesen qualvollen Zustand auszuhalten.

Meine Begleiter lachten mich nur aus und als ich sie um Hilfe förmlich anflehte, sagten sie, es sei doch alles in Ordnung. So ging es gefühlt eine lange Zeit lang. Wie viele Stunden das waren, kann ich nicht einschätzen. Ich lag dann nur noch. Es fühlte sich an wie ein Kreislaufkollaps, mir war extrem schlecht und schwindelig, so als wäre ich in einem schnellen Karusell gefangen und ich war stark verängstigt. Ich bat meine Begleiter, unbedingt einen Krankenwagen zu rufen. Das haben sie jedoch nicht gemacht. Sie waren so high, dass sie meinen Zustand nicht richtig einschätzen konnten und überlegten selber ständig, ob sie doch den Notdienst rufen sollten. Allerdings hatten sie Angst vor rechtlichen Konsequenzen (was gar keinen Sinn ergibt). Wahrscheinlich führte auch dies vor Allem dazu, dass ich mich machtlos fühlte und mich dadurch noch mehr reinsteigerte.

Danach entschieden sie, einen guten Freund herzurufen, der mich nach Hause begleitete. Als ich meinen Kumpel sah, war ich schon etwas erleichterter. Die Symptome ließen ziemlich nach. Er war nüchtern und konnte die Lage besser einschätzen. Er war schockiert darüber, in welchem Zustand ich mich befinde. Vielleicht war es auch diese Bestätigung, die mir das Gefühl gab in Sicherheit zu sein. Weil das Gefühl der Unsicherheit durch die anderen, die meine Lage nicht einschätzen konnten, verschlimmerte allea. Wirklich gut ging es mir nicht, aber der enorme Zustand hatte sich ein wenig gelegt.

Die 3-4 Tage danach ging es mir psychisch irgendwie merkwürdig und ich war extrem schlapp. Zum Glück waren zu dieser Zeit Ferien. Unter den Umständen hätte ich nicht zur Schule gehen können.

Das war meine bisher einzige, leider grauenvolle, Erfahrung mit Cannabis. Seitdem habe ich nie wieder einen Joint angefasst, weil ich Angst davor habe, wieder das Gleiche erleben zu müssen. Die einzige Erfahrung hat gereicht, es nicht mehr anzufassen.

“Härtere” psychoaktive Substanzen, wie Amphetamine, habe ich schon mehrmals probiert und hatte nicht in irgendeiner Weise solche Probleme bzw solch einen Zustand.

Meine Psyche ist derzeit nicht so stark, ich leide seit sehr vielen Jahren an schweren Depressionen.

Ich finde die ganze Cannabis-Kultur trotzdem ziemlich interessant und habe in letzter Zeit manchmal das Bedürfnis, eine zu rauchen.

Meint ihr, ich sollte dem Cannabis trotzdem eine Chance geben? Bzw. woran lag diese extreme Erfahrung? Hatte jemand schon mal ähnliche Zustände? Kann man was dagegen tun, dass es nicht passiert?

Ich danke für jede ernstgemeinte Antwort im Voraus.

Answered question